Bonner Querschnitte 20/2019 Ausgabe 584

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„Gelungen, das Thema ‚Erotisierungen in missionarischen Beziehungsgeflechten‘ aus der Tabuzone zu holen“

Angelika Marsch über die Untersuchung von Martina Kessler

(Bonn, 14.06.2019) Angelika Marsch, Beraterin für Führungskräfte von Wycliffe Europa, hat die Untersuchung von Dr. Martina Kessler ‚Erotisierende Beziehungen in der Mission‘ evaluiert und empfiehlt sie den Verantwortlichen von Missionsorganisationen zum gründlichen Studium. Sie schreibt:

Buchcover„Mit der vorliegenden Arbeit ist es Martina Kessler ausgezeichnet gelungen, das Thema ‚Erotisierungen in missionarischen Beziehungsgeflechten‘ aus der Tabuzone zu holen und wissenschaftlich zu durchdringen. Sie verknüpft gekonnt Literaturarbeit mit einer einzigartigen empirischen Studie und gewinnt Einsichten aus der Missionspraxis für die Missionspraxis: In welcher Form treten Erotisierungen auf, welche Ursachen haben sie, mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen und welche Präventionsmaßnahmen wären in der Vorbereitung und in der Begleitung von Missionar/-innen hilfreich.

Kessler will durch ihre Recherche eine Gesprächsfläche zum Austausch und zur gegenseitigen Hilfe bieten:

  • für Missionar/-innen im Miteinander,
  • für Kandidat/-innen und die sie betreuenden Personen,
  • für Seelsorger/-innen und Ratsuchende,
  • aber auch für die zuständigen Leiter/-innen auf den verschiedenen Leitungsebenen.

Ihre Arbeit ist eine Herausforderung an die Verantwortlichen von Missionsorganisationen, dieses relativ unbeachtete und doch hoch aktuelle Thema proaktiv anzugehen.“ Soweit Angelika Marsch.

In einer Zusammenfassung ihres Buches in der Zeitschrift Evangelische Missiologie [36 (1/2019): 37–46] hat Dr. Martina Kessler am Ende ihre Empfehlungen gegeben:

„Die Missionswerke und -organisationen haben die Aufgabe, die Dienstfähigkeit von Missionar/-innen vorzubereiten, zu fördern und zu erhalten. Dazu sollte in der Missiologie der Umgang mit der Geschlechtlichkeit und deren Auswirkungen in Missionsorganisationen reflektiert und nicht ignoriert werden. Ebenso wäre es hilfreich, wenn mögliche Erotisierungen und Versuchlichkeit in der Vorbereitung bei Missionskandidat/-innen bereits aufgegriffen würden, um Angstbesetztheit zu vermindern und Tabuisierung abzubauen. Missionar/-innen sollten wissen, dass sie sich jederzeit an ihre Missionsorganisationen wenden können und dass ihnen von dort qualifiziert Hilfe zuteilwird. Dazu wäre es notwendig, dass sich Missiolog/-innen und die Leiter/-innen von Missionsorganisationen stärker mit der Möglichkeit von Erotisierungen, Versuchung und Versuchlichkeit theologisch und lebensnah auseinandersetzen.“

Über die Autorin

Dr. Martina Kessler ist in der Leitung der Akademie für christliche Führungskräfte und Co-researcher am Departement Philosophy, Practical and Systematic Theology der University of South Africa. In diesem Rahmen findet Weiterbildung von Missionaren und Missionarinnen im In- und Ausland statt. Außerdem arbeitet sie als Studienleiterin bei der Stiftung Therapeutische Seelsorge sowie als psychologische Beraterin und Buchautorin.

Bibliografische Angaben:

  • Martina Kessler. Erotisierende Beziehungen in der Mission: Eine theologisch- soziologische Untersuchung in deutschen evangelikalen Missionsgesellschaften. VKW: Bonn, 2018. 336 S. Pb. 19.80 €. ISBN 978-3-86269-161-6.


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Dokumente

BQ0584.pdf