Bonner Querschnitte 29/2010 Ausgabe 151

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Nach ‚Die neue Unterschicht‘ nun Thema ‚Kinderarmut‘

Kinderarmut in Deutschland und Kinderarmut weltweit – zwei brennende, aber völlig unterschiedliche Probleme

(Bonn, 24.11.2010) Nachdem die Reihe ‚kurz und bündig‘ bereits mit dem Band ‚Die neue Unterschicht‘ die soziale Problematik in Deutschland aufgegriffen hat, ist nun mit dem Band ‚Kinderarmut – in Deutschland und weltweit‘ der bedrückendste Ausschnitt dieser Thematik in den Blick genommen worden. Im reichen Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder in Armut. Viele leiden unter materieller Not, aber auch unter Gewalt, Vernachlässigung und fehlenden Zukunftsperspektiven. Vierzehn Prozent der deutschen Kinder gelten mittlerweile als arm. Das liegt um vier Prozent höher als vor zehn Jahren.

Dennoch unterscheidet sich diese Problematik völlig von der Kinderarmut in den Entwicklungsländern. Vielen Kindern dort fehlt es praktisch an allem. Die ‚relative Armut‘ hierzulande ist nur schlecht zu vergleichen mit der ‚absoluten Armut‘ in vielen Ländern der südlichen Erdhälfte. Armut in Deutschland und Armut weltweit sind unterschiedliche Phänomene, mit unterschiedlichen Ursachen und unterschiedlichen Folgen.

Der Verfasser des Kurt Bangert, Forschungsleiter am World Vision Institut für Forschung und Entwicklung mit Sitz in Friedrichsdorf, ist mit beiden Problembereichen vertraut. World Vision veröffentlicht zweijährlich die wichtigste Studie zur Kinderarmut in Deutschland, gleichzeitig liegt der Schwerpunkt des internationalen Hilfswerkes auf der nachhaltigen Hilfe für Kinder in Ländern mit hoher Armut.

Bangert beschäftigt sich auch mit dem volkswirtschaftlichen Schaden der Kinderarmut und der Frage, was Kinderarmut mit Kinderrechten zu tun hat und wie Kinderarmut zu definieren und zu messen sei. So schlimm Kinderarmut auch sei, es gebe „Wege aus der Krise“, meint der Autor. Der Kinderrechtler und Entwicklungsfachmann zeigt die jeweiligen Verantwortlichkeiten auf, die Gesellschaft, Schule, Eltern und auch die Kinder selbst übernehmen können, damit das Leben gelingen kann. Die Beschäftigung mit dem Thema „Kinderarmut“ ist nach Bangert nicht nur eine wirtschaftliche Frage und eine Sache des Kinderrechts, sondern auch eine Frage spiritueller Einsicht und ethischer Verantwortung.

Der Herausgeber der Reihe, Thomas Schirrmacher, rief in einem Vortrag auf einer Konferenz der Schweizer Initiative StopArmut 2015, die zur weltweiten Micha-Initiative gegen Armut gehört, im Beisein von Parlamentariern und führenden Vertretern der Schweizer Entwicklungshilfe dazu auf, absolute Armut und ihre Ursachen zum Bösen schlechthin zu zählen. Wer das Böse in der Welt bekämpfen wolle, müsse den Hungertod von Millionen von Kindern mit ganz oben auf die Liste setzen. Auch wenn Kirche und Staat das Böse auf ganz unterschiedliche Weise bekämpfen sollten und würden, dürfte Kinderarmut nie auf der Liste der größten Übel der Welt fehlen, die wir bekämpfen.

 

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