Bonner Querschnitte 31/2015 Ausgabe 367

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Geschichte der Evangelikalen in Österreich

Der Vorsitzende der Europäischen Evangelischen Allianz veröffentlicht seine Dissertation

(Bonn, 16.07.2015) Der Verlag für Kultur und Wissenschaft hat die wissenschaftliche Reihe Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition in Österreich mit einem Band Die Evangelikale Bewegung in Österreich: Grundzüge ihrer historischen und theologischen Entwicklung (1945-1998) (730 S.) fortgesetzt. Die Reihe wird vom Institut für Theologie und Gemeindebau (ITG) – Martin Bucer Seminar Österreich herausgegeben.

Mit seiner Amsterdamer Dissertation legt Frank Hinkelmann, Vorsitzender der Europäischen Evangelischen Allianz, bekannt durch weitere Veröffentlichungen zur Geschichte der Evangelischen Allianz in Österreich, des überkonfessionellen Missionswerks Operation Mobilisation sowie zur österreichischen Konfessionskunde, die erste Gesamtdarstellung der Geschichte der österreichischen Evangelikalen vor.

Pfr. Dr. Frank Hinkelmann wuchs als Missionarskind in Indonesien und Deutschland auf. Nach dem Abschluss seines Theologiestudiums an der Freien Theologischen Akademie (heute Freie Theologische Hochschule) in Gießen (D) schloss er sich 1994 dem Missionswerk OM Österreich an. Im Herbst 2014 promovierte er an der Freien Universität in Amsterdam mit einer Arbeit über die Geschichte der Evangelikalen Bewegung in Österreich. Hinkelmann leitete fast zehn Jahre die Arbeit von OM in Österreich, bevor er 2008 gebeten wurde, die europäische Leitung zu übernehmen. Zusätzlich zu seinen Aufgaben bei OM engagiert er sich bei der Evangelischen Allianz. Zwölf Jahre hatte er den österreichischen Vorsitz inne und ist derzeit sowohl Präsident der Europäischen Evangelischen Allianz als auch Vorstandsmitglied der Weltweiten Evangelischen Allianz. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern in Petzenkirchen, Niederösterreich.

BQ sprach mit dem Autor.

 

Bonner Querschnitte: Was war für Sie der Anlass, diese Arbeit in Angriff zu nehmen?

Frank Hinkelmann: Während des Schreibens meines Buches über die Geschichte der Evangelischen Allianz in Österreich fiel mir auf, dass die Geschichte der Evangelikalen Bewegung in Österreich bisher gänzlich unerforscht geblieben ist. Es reizte mich, in dem Bereich zu forschen. Und als die Dissertation die Möglichkeit bot, das Thema im Rahmen meiner Promotion aufzugreifen, nahm ich die Gelegenheit wahr.

 

BQ: Was meint der Begriff „evangelikal“?

Hinkelmann: Bewusst steht zu Beginn des Buches eine ausführliche Diskussion des Begriffs „evangelikal“, sowohl in seiner historischen als auch in seiner theologischen Entwicklung. Der Begriff fand erst gegen Mitte der 1960er Jahre als solches Eingang in die deutsche kirchliche Landschaft; von dort gelangte er kurze Zeit später nach Österreich. Spezifisch für Österreich ist, dass der Begriff ab den 1980er Jahren hier mehr und mehr als Synonym für gewisse freikirchliche Gemeinden gesehen wurde. Diese Engführung in eine konfessionelle Begriffsdefinition halte ich aus historischen und theologischen Gründen für falsch und möchte mit dem Buch auch zu einem Umdenken anregen.

 

BQ: Was bedeutet „evangelikal“ für Sie konkret?

Hinkelmann: Unter Einbeziehung der Forschungsergebnisse anderer Theologen und Kirchenhistoriker habe ich mich in meinem Buch (S. 52-55) für folgende Definition entschieden: Evangelikale glauben,

-         dass die Heilige Schrift inspiriertes Wort Gottes und als für Lehre und Leben verbindlich anzusehen ist,

-         dass der Tod Jesu Christi am Kreuz die einzige Grundlage der Versöhnung zwischen dem heiligen Gott und dem sündhaften Menschen bildet,

-         dass Bekehrung und Wiedergeburt durch den Glauben an Jesus Christus den Anfangspunkt eines Lebens mit Gott bilden (Christ werden), der zur Erlangung des ewigen Heils notwendig ist,

-         dass jeder Christ in der Nachfolge Jesu steht und dies einen Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat genauso einschließt, wie einen Lebensvollzug, der sich an den ethischen Maßstäben der Heiligen Schrift ausrichtet,

-         dass es eine Gemeinschaft aller Christen gibt, die die konfessionellen Grenzen sprengt und überschreitet, bei gleichzeitiger Betonung der verbindlichen Zugehörigkeit zu einer örtlichen Gemeinde.

 

BQ: Was hat Sie im Rahmen Ihrer Forschungen besonders angesprochen bzw. bewegt?

Hinkelmann: Der große persönliche Einsatz zahlreicher Christen, die Botschaft von Jesus Christus in Österreich weiterzusagen; in einem Land, das zwar nominell christlich ist, in dem aber viele Menschen noch nie persönlich in der Bibel gelesen haben. Dies auch unter dem Preis, dafür im „Sekteneck“ zu landen. Zum Glück sieht dies heute anders aus.

 

BQ: Was möchten Sie Ihren eigenen Leuten, den Evangelikalen, aufgrund Ihres Buches gerne ins Stammbuch schreiben?

Hinkelmann: Es erschüttert mich immer wieder, wie wenig historisches Bewusstsein und historische Kenntnisse in evangelikalen Kreisen vorhanden sind. Neue Gemeinden und Gruppen entstehen und denken, erst mit ihnen beginnt Gottes Wirken an ihrem Ort und in unserem Land Österreich.

Es tut daher gut, innezuhalten, die eigene Geschichte und überhaupt die gesamte Kirchengeschichte kennenzulernen und erst das bietet die Grundlage, um aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Gandhi soll gesagt haben: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ Ich wünschte mir, dass dies auf Evangelikale zukünftig nicht mehr zutrifft.

 

BQ: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

 

Bibliografische Angaben:

·         Frank Hinkelmann. Die Evangelikale Bewegung in Österreich: Grundzüge ihrer historischen und theologischen Entwicklung (1945-1998). Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 2014. 730 S. Pb. 49,80 €. ISBN 978-3-86269-100-5

 

Downloads:

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·         Autorenfoto (Initiates file downloadjpg)

·         Inhaltsverzeichnis (Initiates file downloadpdf)

·         Kostenloser Download des Buches bei der Opens external link in new windowFU Amsterdam

 

Bisherige Bände der Reihen:

Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition
in Österreich -
ISSN 1863-7213

Bd. 1: Frank Hinkelmann. Geschichte der Evangelischen Allianz in Österreich: Von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis zum Ausgang des 20. Jahrhunderts. (2006) 2. erweiterte Auflage 2012. 300 S. Pb. 22.00 € (D), 22.60 € (A). ISBN 978-3-86269-064-0

Bd. 2: Franz Graf-Stuhlhofer (Hg.). Evangelische Allianz in Wien von der ersten Republik bis zur NS-Zeit (1920-1945): Edition der Sitzungsprotokolle und Programme. 2010. 260 S. Pb. 24.00 € (D), 24.50 € (A). ISBN 978-3-938116-86-9

Bd. 4: Fritz Laubach (Hg.). Justinian von Welz: Ein Österreicher als Vordenker und Pionier der Weltmission: Sämtliche Schriften. 2010. 320 S. Pb. 29.00 € (D), 29.60 € (A). ISBN 978-3-938116-93-7

Bd. 5: Johannes Goßner (Hg.). Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Seine Selbstbiographie neu herausgegeben von Franz Graf-Stuhlhofer. 2012. 473 S. Pb. 34.00 € (D). ISBN 978-3-86269-018-3

Bd. 7: Paul G. Nitsche. Miteinander und Füreinander: Geschichte der Pfarrergebetsbruderschaft in Österreich in ihren Anfängen (1923-1938). 2013. 144 S. Pb. 14.00 € (D). ISBN 978-3-86269-068-8

Bd. 8: Frank Hinkelmann. Die Evangelikale Bewegung in Österreich: Grundzüge ihrer historischen und theologischen Entwicklung (1945-1998). 2014. 730 S. Pb. 49,80 €. ISBN 978-3-86269-100-5

Bd. 9: Martin Podobri. Die Mennoniten in Österreich: Entstehung, geschichtliche Entwicklung und Ausblick. 2014. 276 S. Pb. 24.00 €. ISBN 978-3-86269-027-5

Studien zu Spiritualität, Transformation und Gemeindebau in Österreich -
ISSN 2193-1194

Bd. 1: Martin Podobri. Transformation in Österreich. Kultur- und gesellschaftsrelevanter Bau des Reich Gottes im freikirchlichen Kontext. 2011. 240 S. Pb. 19.50 € (D), 19.80 € (A). ISBN 978-3-86269-032-9 (zugleich OM Books)

Bd. 2: Dorothee und Frank Hinkelmann. Mehr als Studenten, Klapperkisten und Traktate: Operation Mobilisation in Österreich 1961-2011. 2011. 200 S. Pb. 17.50 € (D), 17.80 € (A). ISBN 978-3-86269-031-2

Dokumente

BQ0367.pdf