Bonner Querschnitte 35/2009 Ausgabe 119

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ÖVP in Wien gegen Christenverfolgung

(Bonn, 04.12.2009) Die dereinst in Linz (Österreich) ausgeladene Bonner Islamwissenschaftlerin Prof. Christine Schirrmacher ist jetzt in Wien mit offenen Armen und viel Beifall empfangen worden und setzte sich mit Vertretern orientalischer Kirchen für deren Schutz in der islamischen Welt ein. Die Politische Akademie der Österreichischen Volkspartei und der Österreichische Akademikerbund hatten gemeinsam zum Thema Christenverfolgung Experten eingeladen.

Mehr als 250 Millionen Christen werden weltweit verfolgt. In neun Ländern steht die Todesstrafe auf ein Bekenntnis zum Christentum. Wie man dieser Spirale der Gewalt gegen Christen entkommen kann, diskutierte eine erstklassige Expertenrunde am 19. November bei einer Kooperationsveranstaltung des Österreichischen Akademikerbundes mit der Politischen Akademie.

Toleranz ist keine Einbahnstraße

Franz Fiedler, Präsident des Akademikerbundes, bedauerte, dass im Vorderen Orient, der Wiege des Christentums, heute ein aggressiver und politischer Islam die christliche Minderheit radikal diskriminiere und quantitativ schon beinahe zur Gänze vertrieben hätte. Fiedler forderte die in Österreich lebenden Muslime auf, sich mit den verfolgten Christen in ihren Heimatländern zu solidarisieren. Christen hätten ein Recht, so gastfreundlich im Orient behandelt zu werden wie die Muslime in Österreich, wo sie eine anerkannte staatliche Religionsgemeinschaft sind.

Emanuel Aydin, Chorepiskopos der syrisch-orthodoxen Kirche in Österreich, verwies auf die Tatsache, dass Christen in arabischen Ländern als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt werden und das dies ein massiver Verstoß gegen die Menschenrechte sei. Die syrisch-aramäische christliche Gemeinde bilde die Stätte des historische Urchristentums: „Jesus hat aramäisch gesprochen.“ Jeder vertriebene Christ aus dieser Gegend sei einer zu viel, so der engagierte Chorepiskopos, der stolz darauf ist, dass sich die syrische Gemeinde in Österreich vorbildlich integriert habe. Aydin forderte mehr Solidarität der europäischen Christen mit ihren arabischen Glaubensbrüdern ein.

Kulturellen Genozid stoppen

Dramatische Worte fand Pater Athanasios, Vorsitzender der Koptischen Gemeinde in Griechenland. „Christen dürfen sich nie daran gewöhnen, dass Kirchen brennen und Kinder im Orient zwangsislamisiert werden.“ Muslime und Araber, denen das Konzept der Trinität und die jüdisch-christliche Diversität fremd sei, müssten endlich den kulturellen Genozid an den Christen stoppen. In Ägypten zerstöre der radikale Islam die Essenz der christlichen Gemeinschaft. Zur Zeit kämpfe die christliche Minderheit in Ägypten schlicht um Ihr Überleben. Das sei keine Dramatisierung, sondern eine Tatsachenbeschreibung.

Politik und Religion trennen

Christine Schirrmacher, Islamwissenschaftlerin, betonte, dass nicht der Islam als Religion das Problem sei, sondern es erst durch die Verbindung von Politik und Religion Schwierigkeiten gebe. Der Islam als Gesetzesreligion müsse endlich eine rechtstaatliche Tradition entwickeln und sich reformieren. Liberale Muslime, die es gebe, die derzeit aber massiv unterdrückt werden, sollten von Europa besonders gefördert und unterstützt werden. Schirrmacher fand auch kritische Worte für die europäischen Bürger. Zu lange sei das Thema Christenverfolgung von den Europäern ausgeblendet und ignoriert worden. Auch hier in Europa gebe es Drohungen gegen Konvertiten und Moslems, die aus dem Islam austreten wollen. Das sei inakzeptabel, da in Europa Religionsfreiheit herrsche und diese unverhandelbar sei. Ein europäischer Islam müsse akzeptieren, dass man auch aus dem Islam austreten kann.

Der Altphilologe Efrem Yildiz betonte, dass Christen seit Beginn ihres Bekenntnisses der Verfolgung ausgesetzt seien. Verfolgung sei immer ein Zeichen des Hasses. Er forderte eine historisch kritische Lesart für den Koran und neue hermeneutische Auslegungen für dieses heilige Buch. Auch das Judentum und das Christentum hätten von historisch kritischen Texteditionen profitiert. Wesentlich für ein Ende der Christenverfolgung sei, dass die Muslime Christen verstehen. Heute sei der interkonfessionelle Dialog im wesentlichen nur ein Monolog. Für einen ewigen Frieden brauche es aber Respekt von beiden Seiten.

Quelle: Opens external link in new windowwww.polak.at/index.php

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  • Initiates file downloadBild3: Besucher im Saal (von vorn)
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  • Initiates file downloadBild9: Christine Schirrmacher und Efrem Yildiz
  • Initiates file downloadBild13: Henein, Aydin, Schirrmacher, Unterberger, Yildiz

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